Rechtsextrem? Nein!!

Um es ganz eindeutig zu sagen: Zu den fünf Vizepräsidenten, die am 10. November 2019 dem DFV-Präsidenten das Vertrauen entzogen, gehört ein SPD-Mitglied, der Bundesjugendleiter der Deutschen Jugendfeuerwehr und ein Katholischer Theologe, der seit über 30 Jahren christliche Jugendarbeit macht. Es ist abgrundtief absurd, dieser Gruppe Tendenzen zu unterstellen, die irgendwie einen politisch rechten oder gar rechtsnationalen, rechtsextremen Charakter hätten.

Welchen Grund sollte es für diese Menschen geben, die mit ihrer Biografie ganz für dem Rechtsextremismus entgegenstehende Werte stehen, sich irgendwie für rechtsextreme oder nationale Zwecke einzusetzen oder solche Tendenzen zu unterstützen?

Ich selbst bin Präsident eines Landesfeuerwehrverbandes, der sich schon seit vielen Jahren nicht nur klar positioniert, sondern aktive Maßnahmen ergriffen hat, um möglichen entsprechenden extremistischen Einstellungen und Einflüssen in den Feuerwehren entgegenzuwirken. In einem Wertekongress wurden gemeinsam mit Feuerwehr-Vertretern aus verschiedensten Bereichen eigens Werte der Feuerwehr bewusst erkennbar und klar festgehalten. Die „Ehrenamts-Lotsen“ stehen als Demokratieberater*innen bereit, um bei Bedarf in Feuerwehren vor Ort Unterstützung zu leisten, wenn Probleme mit Rechtsextremismus und ähnlichen Erscheinungsformen auftreten.

Vor wenigen Jahren haben wir bewusst gemeinsam mit Vertretern der christlichen Kirchen, mit einem jüdischen Rabbiner und einem türkischen Iman eine gemeinsame Kapelle zum Gedenken an die Verstorbenen der Feuerwehren eingerichtet und eingeweiht. Dieser Ort steht (auf meine eigene Initiative hin) unter dem Zeichen des „Engels der Kulturen“, der die Symbole des Christentums, des Islam und des Judentums vereint. Buntheit und Vielfalt sowie gegenseitiger Respekt werden von uns also klar und eindeutig vertreten und gelebt!

Das sind alles klare und eindeutige Schritte und Taten – und nebenbei weitaus mehr als das, was der ehemalige DFV-Präsident zu diesem Thema je vorzuweisen hatte. Es war vielmehr schon Jahre VOR seiner Amtszeit, dass sich auch der DFV der Thematik angenommen und sich klar positioniert hat. Damals wurde auch hartes Schulungsmaterial entwickelt für ein offenes Miteinander – das alles hat es in seiner Amtszeit NICHT gegeben, und Erfinder dieser Haltung ist der ehemalige DFV-Präsident definitiv nicht.

Der DFV war Jahre vor der Amtszeit des ehemaligen DFV-Präsidenten deutlich aktiver im Umgang mit der Öffnung der Feuerwehren und der Ablehnung rechter Tendenzen als er selbst es je war – hier Schulungsmaterial aus 2012 (er wurde 2015 gewählt).

Angelastet wurde unserem Landesverband Rheinland-Pfalz dann plötzlich auch ein Ereignis bei einer Veranstaltung der Jugendfeuerwehr des Landkreises Westerwald (die in Eigenregie veranstaltet worden war, sodass der Landesverband mit dieser Veranstaltung gar nicht verantwortlich verbunden war). Dort hielt sich ein Vertreter der AfD nicht an die Absprache, dass nur ein einziger Vertreter für alle vertretenen Parteien eine gemeinsame Ansprache halten sollte. Am Ende des Redner-Reigens wurde gefragt, ob noch jemand das Wort wünsche, und es meldete sich jener AfD-Vertreter, den vor Ort keiner der Organisatoren kannte und auch nicht einordnen konnte. Erst im Rahmen seiner Ansprache wurde der AfD-Hintergrund offen – zu spät. Diese Veranstaltung der Jugendfeuerwehr in einem einzelnen Landkreis, in eigener Regie geplant und durchgeführt, wurde nun von den Parteigängern des ehemaligen DFV-Präsidenten medial ausgenutzt und als Beleg dafür hingestellt, in unserem Bundesland bestehe eine besondere Nähe zu dieser Partei. Absurd!

Dieser Aufnäher prangt seit den 90er Jahren auf meiner Arbeitstasche. Selbst aufgenäht vor mehr als 30 Jahren! Ein klares Bekenntnis seit langem!

Ich selbst leiste seit 1989 bis heute aktive leitende Jugendarbeit in einer der größten christlichen Jugendorganisationen Deutschlands, die sich ganz klar gegen rechtsextremes Gedankengut aufgestellt hat. Ich bringe seitdem Kindern und Jugendlichen aktiv Weltoffenheit, tolerante Gesinnung und eine Stützung unserer offenen und bunten Gesellschaft nahe. Dabei habe ich auch ein Kirchenasyl für eine Familie aus Ghana unterstützt, Asylbewerbern privaten Sprachunterricht erteilt. In Zeitungskommentaren habe ich mich schon damals immer wieder öffentlich gegen Rechts positioniert.

Ich beteilige mich seit 40 Jahren leitend und aktiv an Kleidersammlungen für Projekte der Unterstützung von Partnerarbeit in Bolivien (aktuell 2021 durch einen eigens entwickelten „Bolivienlauf“, um Spendengelder für die Projektarbeit für Kinder und Jugendliche in Bolivien zu sammeln), bin seit vielen Jahren aktiv an der Sternsinger-Aktion für Kinder und Jugendliche in Ländern, die Rechtsextreme niemals unterstützen würden.

Die Jugendaktion „Wir gegen Rassismus“ in meinem Heimatbistum Trier unterstütze ich ebenfalls als Aktiver in einer großen kirchlichen Jugendorganisation. Hier ein Aufkleber zur Europawahl im Mai 2019, der als klares Bekenntnis nicht nur auf meinem persönlichen Notizbuch prangt, sondern von dem ich persönlich mehrere hundert Stück in Umlauf gebracht habe.

In den von mir betreuten Kinder- und Jugendgruppen waren in all den Jahrgängen immer wieder Mitglieder verschiedener Hautfarbe und ethnischer Herkunft fester und selbstverständlicher Teil der Gemeinschaft. Nebenbei hat eine liebe Verwandte von mir marokkanische Wurzeln. In Studium und im Beruf arbeite ich gerne und gut mit vielen Menschen zusammen, die einen Migrationshintergrund aufweisen, auch immer wieder mit türkischen Wurzeln. In den 90er Jahren war ich Teil einer Universitätsdelegation, die sich mit türkischen Historikern der Universität Bursa/Türkei ausgetauscht und sich vor Ort in Istanbul sowie auf der kleinasiatischen Seite des Bosporus mit der türkischen Geschichte intensiv befasst hat. Meine Verbindung in die Türkei ist also mehr als Strandurlaub – und wohl deutlich intensiver als die der meisten Herrschaften, die das Märchen von der rechten Gesinnung in der DFV-Spitze verbreite(t habe)n.

Ich beteilige mich außerdem aktiv an einer Initiative, die sich dem Gedenken an die 1938 in meinem Heimatort von Nazi-Mob zerstörte Synagoge gewidmet hat. Die Rolle der Feuerwehr bei der Zerstörung habe ich schon 2013 öffentlich als erster kritisch in einer Festansprache und einer Festschrift betrachtet. Dementsprechend unterstütze ich auch die Forschungsarbeiten zur Rolle der Feuerwehr in der NS-Zeit auf Bundesebene!

Hier stand einst in meinem Heimatort die Synagoge – mit überörtlicher Bedeutung. 1938 wurde sie vom Nazi-Mob niedergebrannt. Heute stehen an ihrer Stelle Garagen und ein Wohnhaus. Nichts erinnert hier an ihren einstigen Standort. Das möchte ich gemeinsam mit einigen weiteren Interessierten ändern.
Ergänzend: Im November 2020 konnte die Erinnerungstafel angebracht werden, die ich selbst mit formuliert habe.

Beim Parlamentarischen Abend der Feuerwehren in Mainz habe ich 2019 als Gastgeber eine deutliche Ansprache vor Parlamentsabgeordneten und vor unserer Ministerpräsidentin Malu Deyer sowie Vertretern der Feuerwehren und anderer Organisationen gehalten, die sich eindeutig und aktiv zu unserer demokratischen Gesellschaft bekannt hat – und dasselbe habe ich vor mehreren hundert Besucherinnen und Besuchern sogar in einer Karnevals-Büttenrede anlässlich einer Auszeichnung im selben Jahr getan. Mit tosendem Applaus. Bei einer internationalen Feuerwehr-Veranstaltung im Sommer 2019 war ich nebenbei der einzige, der gegen das Zeigen des Hitlergrußes durch einen Teilnehmer aus einem Nachbarland während des Abspielens der deutschen Nationalhymne vorgegangen ist.

Und das alles werde ich auch dann weiter tun, wenn sich viele andere bereits entnervt oder eingeschüchtert zurückgezogen haben werden!

Es ist absolut abwegig, mich auch nur in die Nähe rechtsextremen Gedankengutes zu bringen!

Wer sich wie ich mit dem unendlichen Leid näher befasst hat, das unschuldigen Menschen immer und immer wieder in der NS-Diktatur und in der Zeit davor (und danach) von Nazis zugefügt wurde, wer auch nur einen einzigen Einzelfall der Millionen Opfer mit seiner ganz persönlichen Familiengeschichte einmal näher betrachtet, den übermannen nicht nur aus tiefster Betroffenheit und Trauer die Tränen, sondern der kann niemals, NIEMALS rechtsnationaler Gesinnung sein! Ich kann es jedenfalls nicht. Ich kämpfe vielmehr dafür, dass so etwas nie wieder möglich wird. Und dazu und nur in diesem Geist führe ich auch mit vielen Menschen Gespräche – auch mit Vertretern der AfD.

Auch vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung um den DFV-Präsidenten waren wir alles andere als untätig: In meinem Landesverband sind wir gleich nach Start der heftigen Medieninszenierungen durch die Parteigänger des damaligen Präsidenten daran gegangen, intensiv an die Frage nach Lösungen für die Problematik eines sich steigernden rechtspolitischen Einflusses und solcher Strömungen auf das Feuerwehrwesen heranzugehen. Ein Unternehmen schuf dazu nach genauer Analyse der aktuellen Konfliktlage die Grundlagen für ein internetbasiertes Demokratiespiel und für eine Internet-Plattform, die revolutionäre Möglichkeiten für eine digitale Kommunikation und breite Stärkung der Demokratie innerhalb des Feuerwehrwesens und sogar in jedem anderen gesellschaftlichen Bereich schaffen kann. Leider scheiterte zunächst die Umsetzung an den dazu nicht vorhandenen finanziellen Mitteln. Wir bleiben dran!

Man stelle sich die Frage: Wer profitiert von einer anderweitigen Darstellung meines Landesverbandes oder gar meiner Person?

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